Unter den Fittichen der Adler 

Seeadler im Aufwind

Wie ein Adler


Wie ein Adler will ich sein,

will herrschen, Leben leben ...

Will majestätisch mich erheben

und einen Schrei laut von mir geben

und dann dem leuchtend lichten Schein

der Sonne still entgegen schweben...


© Arne Baier, 2011


Still der Sonne entgegen schweben, welch ein traumschönes Bild: Der wiedergeborene, seiner Asche entstiegene Phoenix steigt mächtig und majestätisch zur Sonne empor: Der König der Vögel, seit alters her ein Götter-, Königs-, Herrschafts- und Machtsymbol. Für die Eigenschaften Kraft, Ausdauer, Leichtigkeit, Schnelligkeit und Freiheitswille wird ihm Bewunderung gezollt, offenbar dem irdischen Wunsch entsprungen, frei wie ein Adler zu sein, dieses Symbol des Lichtes und des Sieges über die dunklen Mächte.. Gründe, die ihn zum Attribut des Propheten Elias, des Jesus von Nazareth und des Evangelisten Johannes manifestierten.

Aber auch abseits aller Mythologie und Symbolkraft zeigen sich die Adler in ihrer Vielfältigkeit der Arten als bewunderungswürdige Wesen, ob es sich nun um die Ordnung der Habichtartigen (Haliaeetus) handelt oder die „echten“ Adler (Aquila). 

Fabelwesen Phoenix
Fabelwesen Phoenix

Von imposanter Größe (74-92 cm, 3,1 - 5,4 kg; 3,7 – 6,9 kg) und beeindruckender Flügelspannweite (193 – 244 cm) beleben die Seeadler (Haliaeetus albicilla) die gewässerreichen Landschaften Europa und Asiens, in einem breiten Streifen der gemäßigten borealen und arktischen Zonen und gehören zu den größten Vögeln Mitteleuropas (nur noch übertroffen von Mönchs-, Bart- und Gänsegeier im Westen der Paläarktis).


c) Wikipedia - Seeadler Greifswald Bodden, - Uxlax
c) Wikipedia - Seeadler Greifswald Bodden, - Uxlax

König der Lüfte nennt man ihn und gleich einem König zeigt er sich in seinem Luftrevier: Die mächtigen Flügel kräftig und weit nach oben und unten durchschlagend, überlässt er sich schließlich den Aufwinden und gleitet in seinen typischen Segelflug, den kräftigen,langen Hals weit vorgestreckt, die breiten Fittiche brettförmig und fast horizontal gehalten mit weit nach außen fächerförmig aufgebogenen Handschwingen, einem „fliegenden Gerüstbrett“ gleich. Auch in größerer Entfernung - auf seinem „Ansitz“ - ist er durch seinen typischen Habitus leicht zu identifizieren: Die beachtliche Größe, der sehr kräftige, eckige, leicht bullig wirkende Körper, der kompakte, lange Hals, der beeindruckend Schnabel und die immensen Beine zeigen sich auch dem ungeübten Auge als untrügliche Merkmale. Ein überwiegend braunes Gefieder mit gelblicher ockerfarbener Aufhellung von Kopf, Hals, Brust und Rücken, ein kurzer, keilförmiger weißer Stoß (Schwanz), hellgelbe Färbung des Schnabels, der Iris und der Wachshaut der unbefiederten Beine zeichnen den adulten (erwachsenen) Adler aus, während das Federkleid der immaturen (jungen) Adler eine dunkelbraune Färbung zeigt, Fang und Wachshaut sind dunkelgrau, nähern sich aber mit jeder Mauser dem Aussehen der erwachsenen Adler an, das Alter von fünf Jahren vollständig erreicht ist. Ein bis zwei Junge zieht ein Seeadlerpaar, das sich monogam ein Leben lang die Treue hält, aus einem Gelege von durchschnittlich 2-3 Eiern auf, in ihren gewaltigen aus Ästen errichteten Horsten (vorwiegend auf alten Rotbuchen und Waldkiefern), die sie jedes Jahr höher aufbauen und neu mit Moosen und Gräsern ausstatten, so dass schließlich mit den Jahren ein Horst von anfänglich etwa 1,2 – 1,5 m Durchmesser und 50 bis 80 cm Höhe, ein mächtiges „Bauwerk“ von 2 m Durchmesser und einer Höhe von 3 bis 5 m (Gewicht ca. 600 kg) entstehen kann. 

Foto Wikipedia - Mull Scotland c) Jacob Spinks, England
Foto Wikipedia - Mull Scotland c) Jacob Spinks, England

Einst fast ausgestorben, fliegen die Könige der Lüfte in Deutschland seit einigen Jahren wieder im Aufwind (im wahrsten Sinne des Wortes) - DDT hatte das große Adlersterben verursacht (Absterben der Brut durch sehr dünne Eierschalen) und auch heute noch droht ihnen Gefahr durch die Verwendung von Bleischrot bzw. bleihaltiger Munition, die insbesondere immer noch bei der Jagd nach Wasservögeln verwandt wird, einer wichtigen Nahrungsquelle der Seeadler. Bleisplitter im Aas bzw. „Aufbruch“ aus jagdlicher Betätigung führen zu Bleivergiftungen dieser majestätischen Vögel; denn Blei löst sich sehr schnell in den Adlermägen auf - sie verelenden, können erblinden – oder müssen elend ersticken! 

Woliskin Nationalpark, Polen c) Banqan
Woliskin Nationalpark, Polen c) Banqan

Dass sich Seeadler in ihrem Fressverhalten oft sehr parasitär verhalten ist bekannt, sie scheuen sich nicht,das Aas verunfallten Wildes den Krähenvögeln streitig zu machen, verschmähen, neben den lebenden auch keine toten Fische, die sie mit ihren Fängen im tiefen Flug über das Wasser ergreifen. Daneben betätigen sie sich ungDasseniert als Nestplünderer bei Krähen und Elstern, selbst die Jungvögel anderer Greifvögel werden nicht geschont. Dazu berührend die Beobachtungen an einem Horst, in dem die jungen Adler den von den Eltern als Nahrung herbeigebrachten, kleinen noch lebenden Mäusebussard verschmähten, er wurde kurzerhand von dem Adlerpaar „adoptiert“ und mit den jungen Adlern aufgezogen. Selbst als die Adlerkinder schon erwachsen und ausgeflogen waren, besuchten sie den „Bussardbruder“ immer noch am heimischen Horst...

Junger Seeadler, 60 Tage alt, auf dem Horst, Wikipedia c) Rainer Altenkamp
Junger Seeadler, 60 Tage alt, auf dem Horst, Wikipedia c) Rainer Altenkamp

Vor allem im Winter suchen die Seeadler systematisch nach Aas und auch im Winter sind an den Abenden das vertraute "Glük-Glük" der Balzrufe zu hören, kreisen die Paare in den beeindruckenden Choreographien ihrer Balzflüge, im steten Wechsel von gemeinsamen Synchronflügen, über gemeinsames Kreisen und spielerisches Aufeinanderstoßen im kalten Blau des Winterhimmels, in stolzer Schönheit und vertrauter Harmonie – souverän und königlich.

Der Tod der Seeadler: Forschungsergebnisse an Totfunden oder verletzten Tieren


33 % infolge Bleivergiftung

12 % Kollision mit anthropogenen Strukturen (Eisenbahnen, Oberleitungen, Windrädern)

5 % Opfer von Stromschlägen

22 % Anflugverletzungen und Knochenbrüche, (oft tagelang zu Fuß unterwegs)

9 % innere Verletzungen durch Revierkämpfe