In einem Zelt zur Winterszeit (*01.12.1822) wurde er inmitten der Prairie geboren, an der Gabelung des Platte-River im heutigen Nebraska, er - der Sohn einer Oglala-Lakota und eines Brulé-Lakota. Noch ahnte niemand, dass er eines Tages entscheidend zur Geschichte der American Indian Natives beitragen würde. Machpiya-luta (Lakota: Maĥipiya Lúta) – besser bekannt unter der englischen Version seines Namens „RED CLOUD“. 

Die zwei Versionen seiner Namensgebung sind ebenso Legende wie sein erfolgreicher Kampf gegen den Bau einer Eisenbahnlinie durch das Powder-River-Gebiet. Eine der Erzählungen handelt von der Nacht der Geburt des Machpiya-luta: Ein Meteor war am Himmel erschienen, einen Schwarm roter Wolken im Gefolge - zahlreiche Babies aus dem Volk der Sioux (Lakota, Dakota, Nakota) erhielten daraufhin Namen „Red Cloud“. Die andere Variante berichtet davon, dass er zuerst den Namen seines Großvaters „erbte“ - „Zwei Pfeile“ -, doch als jungem Krieger wurde ihm die Führung eines Trupps anvertraut. Seinen Männern befahl er, sich in rote Decken einzuhüllen, ihr Angriff glich dem Aussehen einer roten Wolke, vor der die Feinde die Flucht ergriffen. Aufgrund diese ersten Ruhmestat wurde ihm der Ruhmesname Maĥipiya Lúta verliehen.

 

Früh verwaist, wurde er von seiner älteren Schwester (Blue Day Woman, Mutter von Häuptling He Dog) und dem Onkel „Weißer Habicht“ erzogen, der ihn auch in Jagd- und Kriegstechniken unterrichtete, aber bald verzweifelt feststellen musste, dass der Junge – wenn er nicht so ungehorsam wäre – das Zeug zu einem bedeutenden Häuptling hätte. 

 

Red Cloud
Red Cloud
Red Cloud
Red Cloud

Das Jahr 1849 brachte entsetzliches Ungemach über die Indian Natives. Einwanderer hatten entlang des Oregon Trails nach Westen die Cholera eingeschleppt, eine Krankheit, die unter den Indianern unbekannt war und zum Tod vieler Indianer führte; denn ihr Immunsystem war gegen die Erreger dieser Krankheit machtlos. Seine Fähigkeit, aus einem Pflanzenextrakt ein Gegenmittel dieser schrecklichen Krankheit herzustellen, zeugten von Red Clouds großem Wissen und Kenntnissen als charismatischer Shamane und Heiler seines Volkes.

 

In den Jahren von 1850 – 1860 folgte die Zeit der Verdrängung der Lakota durch die „Euro-Einwanderer“ immer weiter nach Westen von ihrem angestammten Land, Auseinandersetzungen mit den Crow folgten, die von den Lakota schließlich aus den Gebieten östlich der Bighorn Mountains verdrängt wurden. 

Chief Red Cloud u. American Horse
Chief Red Cloud u. American Horse

Das Jahr 1862 brachte weitere Beschwerlichkeiten, Gold wurde in Montana gefunden, Straßen zu den Grabungsfeldern gebaut! Glücksritter – Goldgräber, Händler – strömten innerhalb eines Jahre-s entlang des neuen Bozeman-Trails, der nahe des Forts Laramie, vom Oregon Trail abzweigte, zu den Fundstellen. Das letzte große Rückzugs- und Jagdgebiet der Lakota geriet in Gefahr. Red Cloud wusste, dass das Volk der Lakota verhungern würde, wenn sie dieses letzte Gebiet verlören und entschloss sich zu handeln. Unter seiner Führung griffen indianische Kriegstruppen die vorbeiziehenden Trecks an, der Bozeman-Trail ging von nun an in die Geschichte als „Bloody Bozeman“ ein.

 

Schließlich sah sich die U.S.-Regierung zu Verhandlungen mit den indianischen Häuptlingen gezwungen. Die Häuptlinge der betroffenen Stämme erschienen in Fort Laramie. In den friedlichen Verhandlungen schien es zunächst so, als ob die Häuptlinge zur Gewährung des Trails bereit wären, unter der Maßgabe, dass die wilden Büffelherden nicht verscheucht oder erschossen würden. Doch Red Cloud erfuhr während dessen, dass schon eine Garnison bereit stand, die nach der Unterzeichnung des Vertrages, entlang des Bozeman-Trails Forts errichten sollten, das brachte die Wende in den Verhandlungen. In einer letzten Rede bekräftigte Red Cloud, dass er niemals zulassen würde, dass entlang des Trails Forts errichtet würden und sagte u.a. wörtlich:“Der weiße Vater (der US-Präsident) schickt uns Geschenke und will, dass wir ihm die Straße verkaufen. Aber bevor die Indianer ja oder nein dazu sagen, kommt der weiße Häuptling (der Befehlshaber der mit der Unternehmung betrauten US-Truppen Colonel Henry Carrington) mit seinen Soldaten und stiehlt sie.“

Chef Red Cloud (Gemälde . Harvie Brown)
Chef Red Cloud (Gemälde . Harvie Brown)

Noch ehe der Dolmetscher mit der Übersetzung geendet hatte, stürmten Red Cloud und andere einflussreiche Häuptlinge von dannen. Lediglich einige unbedeutende Häuptlinge blieben, unterzeichneten den Vertrag, ohne in Kenntnis darüber zu sein, was die 12 Artikel des Vertrages eigentlich aussagten. Danach zog Oberst Carrington nach Norden, um mit dem Bau der Forts zu beginnen.

Um Red Cloud hingegen scharten sich in den folgenden Monaten aus allen Gebieten des Powder River Krieger, so dass sich bald 4000 Männer um den Häuptling geschart hatten, der in einer Art Guerilla-Krieg ständig Kämpfe gegen Trecks, Forts und Garnisonen führte.

 

Schließlich lockten am 21. Dezember 1866 Red Cloud und seine Krieger ein 80 Mann starkes Kommando unter Captain (Hauptmann) William Fetterman - einem Indianer-Hasser, der damit prahlte, dass er das ganze Sioux-Gebiet unbeschadet durchreiten könne- das aus dem Fort Phil Kearny ausgerückt war, um Holz zu sammeln, in einen Hinterhalt. Fetterman hatte dabei die Anweisungen Colonel Carringtons nicht eingehalten, der eine Verfolgung der Lakota untersagt hatte. Die Sioux-Krieger lockten ihn und seine Männer in eine Falle und verwickelten sie in einen Kampf. Alle Soldaten Fettermans und er selbst fielen in einem Hagel von 40000 Pfeilen, bevor aus dem Fort Verstärkung herbeieilen konnte. Dieser Kampf ging in die Geschichte ein, bei den Natives unter dem Namen „Die Schlacht der hundert Toten“, bei den weißen Gegnern als „Das Fetterman-Gefecht“. 

Red Cloud und Bill Cody (Mitte)
Red Cloud und Bill Cody (Mitte)
Verhandlungsdelegation - Red Cloud in der Mitte
Verhandlungsdelegation - Red Cloud in der Mitte

Der Kampf rund um das Powder-River-Gebiet ging weiter, obwohl eilig neue Soldaten aufgeboten wurden. Es war der Kampf bzw. der Krieg des Red Cloud: Er belagerte konstant sämtliche Forts im Gebiet der Oglala - so dass deren Insassen Hunger und Durst litten – jeder Weiße, der es wagte, seinen Fuß auf den Bozeman-Trail zu setzen, riskierte sein Leben, so dass sich die U.S.-Regierung abermals zu Friedensverhandlungen genötigt sah. Alle Unterhändler wurden jedoch von Red Cloud unverrichteter Dinge wieder zurück geschickt mit der Botschaft, dass er nicht eher zu den Verhandlungen erscheinen würde, ehe nicht alle Soldaten das Gebiet der Oglala verlassen hätten. Ohne die Zustimmung Red Clouds wäre jeder Vertrag wertlos gewesen. Als der nächste Sommer ins Land zog, wurden alle Soldaten zurück beordert und die Krieger des großen Häuptlings brannten alle Forts nieder. Aber noch immer ließ sich Red Cloud Zeit und traf erst am 6. Dezember 1868 in Fort Laramie ein, um den Vertrag zu unterzeichnen, in dem festgehalten wurde, dass das Gebiet rund um den Powder-River von nun an „uneingeschränktes Indianerterritorium“ sei. Somit hatte Red Cloud als erster indianischer Häuptling gegen die U.S.A einen siegesgleichen, erfolgreichen Ausgang erzielt, es sollte der letzte bleiben...

 

Nach einem Besuch im Osten der U.S.A erkannte er die militärische Macht der Weißen, dass er sich schwor, nie wieder gegen sie zu kämpfen und betätigte sich nach der Beglaubigung des Vertrages als Diplomat für sein Volk. Sein Ziel eine Aussöhnung mit den Weißen. Diesbezüglich reiste er acht mal nach Washington zum U.S.-Präsidenten, um mit ihm Verschiedenes zu bereden. Doch immer wieder wurden die Verträge gebrochen, was Red Cloud im Rahmen einer Rede folgendermaßen artikulierte: "Der Große Weiße Vater mag zur Kenntnis nehmen, dass alles Gerede über Krieg und Frieden sinnlos ist, solange man uns nicht das Recht zugesteht, zu leben, wie wir es wollen. Nachdem die Weißen alle Friedensverträge stets gebrochen haben, die sie mit uns schlossen, kann man nicht von uns erwarten, dass wir denen, die mit gespaltenen Zungen reden, noch ein Wort glauben. Wir glauben nur noch an Taten". Als großer Patriot und brillanter Redner überzeugte er sogar die Presse, die sich schließlich für die Interessen der Indianer einsetzte, so schrieb beispielsweise die New York Times: „Wir würden in den Kongressberichten im Globe von einem ganzen Monat umsonst nach einer Rede suchen, die so interessant war wie diejenige, die Red Cloud gestern beim Indian Council vortrug. Diese klare Vorstellung dieses leseunkundigen Wilden, dessen, was er als seine Rechte darstellt, und dessen, was er als Unrecht betrachtet, zeigt deutlich die Notwendigkeit, auf aufrichtige und verständliche Art mit den Führern der eingeborenen "Nationen" zu verhandeln. Der Versuch, die Indianer zu beschwatzen und zu betrügen, als hätten sie keinerlei Intelligenz, muss aufhören, ebenso wie die Politik, sie wie wilde Tiere zu jagen.“

Red Cloud und Ehefrau, Druck auf Seide
Red Cloud und Ehefrau, Druck auf Seide


Unter dem Druck der Öffentlichkeit musste die Regierung schlussendlich nachgeben und schloss einige Kompromisse mit Red Cloud, der entmutigt erkennen musste dass eine Aussöhnung nicht möglich sei; zudem stritten anderer Häuptlinge ständig mit den Beamten, als ihnen klar wurde, was die angehängten 12 Artikel des Vertrages aussagten. 1871 wurde für Red Cloud und sein Volk 50 km von Fort Laramie entfernt, eine eigene Agentur errichtet, die Red-Cloud-Agentur. Aber nicht alle Oglala folgten ihm und manche verdächtigten ihn sogar, sich an die Weißen verkauft zu haben, unter ihnen auch Sitting Bull und Crazy Horse.

 

Doch das Land am Powder-River, für das sie so sehr gekämpft hatten, mussten die Lakota bereits 1876 hergeben. Das neue, wesentlich kleinere Reservat schrumpfte ständig, zu oft wurden Ländereien des Reservates – teils auch durch Zwang oder Bestechung - an weiße Siedler verkauft. Überzeugt davon, dass bewaffneter Widerstand zwecklos sei, weigerte sich Red Cloud, an einem 1876 geplanten Aufstand der Natives teilzunehmen, er kannte die militärische Stärke des Gegners.. Um so mehr setzte er sich für die indianischen Interessen auf diplomatischem Wege ein und wehrte sich beispielsweise vehement gegen die Verkäufe von indianischem Reservatsboden. Er überprüfte die zuständigen Agenturen genauestens, bis schließlich der Agent McGillycuddy den mittlerweile alten Häuptling seines Amtes enthob.

 

Entkräftet und halb blind starb der 87-jährige am 10. Dezember des Jahres 1909 im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota.

 

 

 

 

Das mutmaßlich letzte Foto Red Clouds 1909
Das mutmaßlich letzte Foto Red Clouds 1909
Zimmer Red Clouds in Pine Ridge
Zimmer Red Clouds in Pine Ridge
Oglala-Delegation m. Regierungsvertretern 1877
Oglala-Delegation m. Regierungsvertretern 1877

Das einstige Reservat der Lakota war zu dieser Zeit schon in 5 kleinere Reservate zersplittert worden, in denen es dem Volk unmöglich war zu jagen und sich zu ernähren, zumal die Bisons schon fast ausgerottet waren...Die ständigen Versprechungen der U.S-Regierung, Saatgut zum Getreide- und Gemüseanbau zu liefern, wurden nie in die Tat umgesetzt!

 

Red CloudsTraum von der Aussöhnung war ausgeträumt, sein Lebenskampf für sein Volk umsonst gekämpft.

Ehemal. Stammesgebiete der Sioux-Gruppen - grün, der Lakota, der benachbarten Nakota (Yanktonai u.Yankton) sowie der Dakota und die heutigen Reservationen - orange.
Ehemal. Stammesgebiete der Sioux-Gruppen - grün, der Lakota, der benachbarten Nakota (Yanktonai u.Yankton) sowie der Dakota und die heutigen Reservationen - orange.
Chief Red Cloud u. Mary Good Road
Chief Red Cloud u. Mary Good Road

Aus einer seiner Reden erreichen uns heute noch Worte, die uns eindringlich an die wahren Werte in unserer Welt erinnern, 

jenseits allen Konsumzwanges,

jenseits allen Hasses 

und der 

Selbstgerechtigkeit:

I am poor and naked, but I am the chief of the nation. We do not want riches but we do want to train our children right. Riches would do us no good. We could not take them with us to the other world. We do not want riches. We want peace and love." Chief Red Cloud 

Gemälde v. Charlie Deas
Gemälde v. Charlie Deas